Der Kristalllüster tauchte das riesige Schlafzimmer in goldenes Licht, während sanfte Musik durch die Villa hallte, als wäre nie etwas Schlimmes geschehen. Spiegel reflektierten Marmor. Smaragdgrüne Reflexe schimmerten an den beigen Wänden. Alles schien perfekt. Bis die Halskette aufblitzte. Die ältere Frau erstarrte. Ein greller grüner Blitz traf sie von der anderen Seite des Raumes, wo das junge Dienstmädchen still neben dem Schminktisch stand. Und dann – Glas zersplitterte.
„WO HAST DU DIESE HALSKETTE?!“ Der Schrei hallte so heftig durch das Schlafzimmer, dass das Dienstmädchen zurückwich. Fast augenblicklich eilte die ältere Frau herbei und packte das Mädchen mit zitternden Händen an den Schultern. Das Dienstmädchen sah entsetzt aus. Kaum zwanzig. Dünn. Blass. Sie hielt noch immer ein gefaltetes Kleid an ihre Brust gedrückt.
„I-ich weiß es nicht –“ „LÜG MICH NICHT AN!“ Die Stimme der Frau brach. „Davon gibt es nur ZWEI!“ Stille breitete sich im Raum aus. Selbst die leise Musik unten schien plötzlich fern. Der Atem des Dienstmädchens wurde unregelmäßig. Instinktiv berührten ihre Finger die Smaragdkette, die an ihrer Haut hing.
„Die… die Nonne hat mir gesagt…“, flüsterte sie zitternd.
„Sie sagte, es sei das Einzige, was meine Eltern mir hinterlassen haben.“ Die Frau taumelte zurück, als hätte sie einen Schlag getroffen. Ihr Gesicht wurde kreidebleich.
„Nein…“ Ihr Flüstern war kaum hörbar. Dann drehte sie sich plötzlich um und stürzte auf den Schminktisch zu. Schubladen flogen auf. Schmuckkästchen krachten auf Marmor. Das Dienstmädchen stand wie erstarrt da, während die Frau mit zitternden Händen Samtetuis durchwü

hlte – bis sie es endlich fand.
Eine weitere Smaragdkette.
Identisch. Der Raum schien stillzustehen. Langsam hob die Frau sie ins Licht.
Zwei Ketten.
Derselbe Smaragd.
Dieselbe Kette.
Dieselbe Gravur.
Das Dienstmädchen keuchte leise auf.
„…das ist unmöglich…“ Die Hände der älteren Frau zitterten so heftig, dass sie es beinahe fallen ließ.
Und dann bemerkte das Dienstmädchen etwas.
Ein winziges eingraviertes Datum.
Ihre Augen weiteten sich augenblicklich.
„…das Datum…“ Die Frau blickte scharf auf.
Das Dienstmädchen trat langsam näher.
Jetzt voller Entsetzen.
„Die Nonne sagte mir…“ Ihre Stimme versagte.
„Wenn ich jemals die zweite Kette fände…“ Die ältere Frau hielt den Atem an.
„…sollte ich fragen, wer im Grab meiner Mutter liegt.“
Der Kronleuchter wirkte plötzlich zu hell.
Die Lippen der älteren Frau öffneten sich vor Entsetzen.
Und dann –
von irgendwo unten –
hallte eine Männerstimme durch die Villa:
„Sie sollte nie zurückkommen.“
Das Dienstmädchen wandte sich langsam der Schlafzimmertür zu.
Die ältere Frau flüsterte nur ein Wort:
„…Lauf.“
👉 Teil 2 in den Kommentaren.
